Von verlorenen Koffern & Zigaretten für Hunde

Gepostet am Jun 12, 2011 in Blog, Cultural dreams, Pictured dreams | 2 Kommentare

9. Juni 2011
Hannover/ Plouigneau

Ich fliege zu meiner Mutter in die Bretagne. Von Hannover über Paris nach Brest.

Es ist immer wieder ein Abenteuer, zu Fliegen. Zumindest, wenn man nicht oft fliegt. Ich habe mal nachgezählt, dieses Mal müsste mein vierter Flug sein oder vielleicht fünfter, wenn ich den Flug mitzähle, an den ich mich anscheinend nicht mehr erinnern kann und von dem mir meine Mutter erzählt hat. Das Abenteuer fängt schon beim Parken an. Ich hatte einen Parkplatz reserviert und kurve jetzt schon das zweite Mal die Straße vorm Flughafen lang. Die geht immer rund, man kann sie nur in einer Richtung befahren. Wenn ich also ein Mal vorbei gefahren bin, muss ich wieder ganz rum fahren. Bei der zweiten Runde entdecke ich, dass der Parkplatz, den ich gesucht habe, ganz am Anfang war. Gut, dass ich früh dran bin. Also fahre ich rauf und suche einen freien Platz. Mann, sind hier viele Autos. Ich muss bis ganz zum Ende fahren. Ok, geparkt, Koffer raus und los zum Flughafen. Hm, der Weg ist ganz schön weit. Aber gleich vor dem Parkplatz ist eine Haltestelle vom Shuttle. Ich hoffe, das kommt auch noch rechtzeitig, damit ich den Check In nicht verpasse. 10 Minuten vergehen und ich überlege gerade, ob ich den ziemlich weiten Weg zum Flughafen doch zu Fuß gehe, da biegt der Shuttlebus um die Ecke. Ich bekomme noch einen freundlichen Tipp vom Busfahrer, dass mein Rucksack mir irgendwann Rückenleiden einbringen wird. Ich bedanke mich freundlich und steige aus dem Bus. Der Shuttle hält an Terminal C, ich muss zu Terminal A. Ich hoffe, ich darf noch einchecken. Ja, alles gut. Es hat geklappt. Ich frage bei der Gepäckaufgabe, ob ich mein Gepäck beim Umsteigen in Paris abholen und für den zweiten Flug wieder aufgeben muss. „Nein, das geht gleich weiter, wenn wir Glück haben.“ sagt der Herr hinter dem Schalter. So richtig beruhigend ist das ja nicht. Ich frag wohl lieber mal in Paris nach, wenn ich umsteige. Ab durch die Handgepäckkontrolle und den Körperscanner. Alles in Ordnung. Dann Warten auf den Flieger. Noch schnell ein Mal Wi-Fi nutzen und dann muss ich das Handy abschalten. In Frankreich schalte ich Roaming ab, habe keine Lust auf eine super teure Rechnung, also sehe ich vielleicht einer Woche ohne Internet entgegen. Das ist vielleicht ungewohnt in der heutigen Zeit. Aber ich werde es wohl überleben, ist ja vor dem iPhone auch nicht anders gewesen und immerhin hab ich es noch nicht soo lange.

Der Flug verläuft gut, die Maschine ist viel kleiner als gedacht und wenn wir durch die Wolkendecke fliegen, ruckelt es ziemlich. Aber ansonsten ist alles gut. In Paris angekommen frage ich, ob ich mein Gepäck wirklich nicht selbst zum anderen Flieger bringen muss. Der nette Herr von der Air France bestätigt mir das und zeigt mir, wo ich zum nächsten Flieger komme. Dann hab ich noch eine Stunde Zeit, bevor mein Flieger nach Brest geht. Auf dem Pariser Flughafen sind erstaunlich viele Deutsche. Ich bin gespannt, ob das auf dem nächsten Flug auch noch so ist. Ja, ist es, merkwürdigerweise. Ich hätte nicht gedacht, dass die Bretagne für Deutsche so ein beliebtes Urlaubsziel ist. Ich treffe auch eine in Deutschland lebende Französin, die mit ihrem deutschen Freund ihre Familie ganz in der Nähe meiner Familie besucht. Wir kommen gut in Brest an. Ich sehe auch gleich hinter der Glasscheibe bei der Gepäckabholung meine Mutter und ihren Freund. Nur meinen Koffer, den sehe ich nicht. Als ich dort nur noch fast alleine stehe, höre ich schon zum zweiten Mal, aber diesmal bewusst, einen Ausruf. Oh, sie rufen nach mir. Den Namen hab ich nur schlecht verstanden. Die Dame sagt mir, dass mein Koffer verspätet ist und morgen mit dem „Taxi“ nach Plouigneau zu meiner Mutter gebracht wird. Witzig, hatte der Mann in Hannover also Recht. Dann hatte ich kein Glück mit dem Gepäck. Na ja, das ist mir noch nie passiert und jetzt hab ich hoffentlich ein paar Jahre Ruhe.

Wir machen gleich eine Tour nach Locquirec. Das ist ein malerisches Küstenörtchen, in dem ich schon oft war, auf dem Markt, am Strand, in der Bar, in der Crêperie. Immer waren viele Menschen hier, heute nicht, alles leer, ist wohl noch zu früh für die Franzosen. Auf jeden Fall kommt mir alles viel kleiner vor als früher, bin ja selbst auch größer geworden. Aber schön ist es trotzdem. Wir machen eine Tour de Cap, einen Spaziergang um den äußersten Landzipfel hier. Sehr schön, viele Erinnerungen. Ich mag das Meer und den Geruch. Auch wenn man die Algenpest hier deutlich sieht.

Dann fahren wir nach Plouigneau in das Haus meiner Mutter. JP und sie haben es sehr schön aufbereitet. Es entspricht deutschem Standard ganz im Gegensatz zu früher und zu den anderen französischen Häusern. Aber es hat seinen bretonischen Charme nicht verloren. TiSoizic heißt das Haus, diese Hausnamen sind Sitte in der Bretagne. Ti heißt „Haus“ und Soizic ist der bretonische Name meiner Mutter. Die Häuser heißen immer „Haus Anne/ Marie-Annick/ Charlotte…“. Es gibt eine Kräuterschnecke, die zu beneiden ist, Thymian, Rosmarin, Minze, Melisse, Salbei, alles wächst hier. Und ein Himbeerstrauch, die schmecken vielleicht. 🙂

Dann wollen wir was essen und entscheiden uns für eine Crêperie, weil ich Crêpes in Frankreich liebe. Wir kurven durch etliche Dörfer, an der Küste entlang. Keine hat offen. Anscheinend ist der Donnerstag in Frankreich wie der Montag in Deutschland für die Gastronomen. In Morlaix werden wir fündig. Eine Restaurant von Bekannten meiner Mutter, sie kennt aber auch überall jemanden. Die Crêpes sind vorzüglich. Wir haben alle erst ein Crêpe Complette mit Ei, Käse und Schinken und dann ein Crêpe avec Pommes Caramelisées, mit karamelisierten Äpfeln. Sehr lecker. Ich könnte mich reinsetzen. Caline, der Dackel meiner Mutter will auch was futtern und bekommt prompt „une Cigarette“, ein gerolltes einfaches Crêpe. Ein Haps und es ist weg. Ach Frankreich, du Land, in dem Hunde Zigaretten bekommen. Zufrieden fahren wir vier nach Hause.

Seht euch meinen Tag hier in Bildern an.

2 Kommentare

  1. J‘ ai lu ton journal et vu toutes les photos, pas mal tout ca, tu en as vu des choses en une semaine , je suis contente que ton séjour ici t‘ a plu et je suis triste que tu n‘ es plus là! Heureusement que les prochaines vacances arrivent dans 2 semaines.Alors gros bisous à toi et Phil et tes chatons
    Ta maman qui t‘ aime avec JP

  2. Merci, Maman. Ca m’a fait plaisir de visiter vous et la Bretagne, faire de photos et ecrire le journal. C’est vrai, j’ai vu beaucoup et c’etait une bonne semaine. Merci pour tout et á la prochaine en Allemagne.
    Grosses bises à toi et JP!

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