Von rosa Granit & der bretonischen IT-Stadt

Gepostet am Jun 23, 2011 in Blog, Cultural dreams, Pictured dreams | Keine Kommentare

14. Juni 2011
Plouigneau

Wir fahren an die Côte de Granit Rose (bretonisch: Aod ar Vein Ruz). Vielleicht ist das Wetter da besser als im verregneten Plouigneau.

Wir nehmen die Küstenroute. Und tatsächlich, je weiter wir zur Rosa-Granit-Küste kommen, desto mehr scheint die Sonne. Der Küstenabschnitt liegt zwischen Paimpol und Trébeurden und erhielt seinen Namen von riesengroßen, bizarren Felsformationen aus rosafarbenem Granit. Unser Ziel ist Trégastel. Hier gibt es einen schönen feinen Sandstrand, der weiter zum Meer hin mit kleinen rosa Steinen überhäuft ist und überall an der Küste die farbigen Riesen präsentiert. Vor 6 Millionen Jahren entstand durch erkaltetes Magma in 6 km Tiefe dieser Granit, durch Erosion, Abtragung und Veränderung des Wasserspiegels bildeten sich sehenswerte Formen. Das Meer hat sie darüber hinaus richtig glatt gewaschen. In einem Stein kann ich einen Wal erkennen, dort hinten eine Treppe. Das sieht wirklich toll aus. Ich halte meine Füße ins Meer. Es ist noch sehr kalt, aber egal. Beeindruckende Küste.

Dann machen wir uns auf den Weg nach Lannion. Auf der ganzen Fahrt, auch schon in den letzten Tagen, sehe ich ganz viele Ortsnamen mit ähnlichen Wortteilen. Unter den französischen Ortsschildern ist der Name auf Bretonisch aufgeführt. Meist ist das eine Hilfe für Nicht-Franösisch-Kenner, denn die bretonischen Namen sehen aus wie die Lautschrift zu den französischen. “Guimaëc” z.B. heißt auf Bretonisch “Gwimaeg” oder “Quimper” ist “Kemper”. Das erleichtert das Aussprechen zumindest für Deutsche sehr. Bretonisch ist eine keltische Sprache, sie wurde von britischen Flüchtlingen und Einwanderern in die Region gebracht. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde sie zu Gunsten des Französischen unterdrückt, hat sich jedoch in der Bevölkerung erhalten. Der Staat erkennt die Sprache zwar immer noch nicht an, aber es gibt eine starke Bewegung zu ihrem Erhalt. Sie wird in der Bretagne tatsächlich noch von einigen gesprochen, hauptsächlich Älteren, aber es entsteht gerade ein Trend, auch Kinder bilingual, also in Französisch und Bretonisch, zu  unterrichten.

Das Wort der Bretonen “Lan” heißt “Eremitage” und steckt in dem Ortsnamen Lannion (bretonisch: Lannuon). Früher lebten hier wohl Einsiedler. Heute ist die Stadt viel belebter. Sie liegt am Fluß Léguer und hat ca. 20.000 Einwohner. Immer noch klein, aber für bretonische Verhältnisse normal. Es gibt auch eine Uni und zahlreiche IT-Unternehmen. Dafür ist die Stadt heutzutage auch ziemlich bekannt, sie ist praktisch die bretonische IT-Stadt. Sie bezaubert aber auch durch ihre historische Innenstadt mit den typischen Fachwerkhäusern, kleinen, engen Gassen, die wie so oft steil bergauf und bergab gehen. Es gibt viele niedliche Läden und Restaurants. Überall ist was los, man sieht viele junge Leute. Die Stadt gefällt mir.

Auf dem Rückweg fahren wir wieder an der Küste entlang. Man sieht ganz klar, dass die Franzosen mit der Algenpest zu kämpfen haben. Jeden Morgen sind die Strände grün vor Algen. Dann kommen sie mit Träckern und räumen sie weg. Abends ist der Sand wieder sauber und am nächsten Morgen geht der Spaß von Neuem los. Die Pest kommt wohl daher, dass die Bauern den Schweineabfall ins Meer kippen. Und die Lobby ist zu groß, so dass die Regierung nichts dagegen tut. Überall das Gleiche.

Seht euch meinen Tag hier in Bildern an.

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