Von alten Dörfern & jungen Franzosen

Gepostet am Jun 26, 2011 in Blog, Cultural dreams, Pictured dreams | Keine Kommentare

15. Juni 2011
Plouigneau

Der Mittwoch ist mein letzter richtiger Tag in der Bretagne. Morgen fliege ich schon gegen Mittag zurück.

Da bleibt nicht mehr viel Zeit. Aber wir wollen den Tag noch richtig nutzen und haben ein volles Programm. Zuerst fahren wir nach Locronan. Die Fahrt dauert ca. 1,5 Stunden, es geht an den westlichsten Zipfel der Bretagne und ein bisschen in den Süden. Der Name (bretonisch: Lok-Ronan) stammt von dem irländischen Saint Ronan, der den Einwohnern das Weben beigebracht haben soll, dass sie im Mittelalter zu Wohlstand gebracht hat. Der Heilige liegt im Ort begraben. Locronan ist ein Museumsdorf. Die Häuser sehen hier genau so aus, wie sie im Mittelalter aussahen. Das Dorf wurde restauriert und für den Autoverkehr komplett gesperrt. Man muss auf einem der umliegenden großen Parkplätze parken und zu Fuß weitergehen. Die Häuser sind sehr sehenswert, komplett aus Stein, mit kleinen Türen und Fenstern. Gerade an den Türen merkt man, dass Bretonen generell ziemlich klein sind. Das ist auch heute nicht anders. Ich bin für deutsche Verhältnisse nicht gr0ß, aber hier fühle ich mich so.

Der Ort ist sehr malerisch, kleine Gassen laufen auf den Marktplatz zu, an der auch die sehenswerte Kirche “L’Eglise Saint Ronan” steht. Die Dorfkulisse wurde auch schon für einige Filme verwendet. Darunter zum Beispiel “Tess” von Roman Polanski, der Film mit dem Nastassja Kinski ihren internationalen Durchbruch feierte. Überall findet man Künstler. Es gibt hier alles: Glasbläser, Schnitzer, Maler, Chocolatiers, Patissiers, Seifenmacher, Messerhersteller, Häkelkünstler, Fischer und und und. Hier kann man auch in das Haus der 100 bretonischen Biere gehen. Aber besonders hervorzuheben sind die Spezialitäten mit bretonischer (salziger) Butter, z.B. Karamellbonbons. Einfach klasse. Sollte man probieren.
Mittags gehen wir, wie sollte es auch anders sein, in eine Crêperie. Ich esse ein Crêpe Fromage du Chèvre de Ferme Homez (Ziegenkäse vom Bauern Homez) und ein Crêpe avec Crème de Marrons (Kastaniencreme). Das Restaurant ist auch von innen sehr urig. Ich sitze vor einem alten bretonischen Bettschrank. Das ist ein relativ großer Schrank, wenn man ihn als Schrank betrachtet. Aber wenn man bedenkt, dass darin früher Eheleute geschlafen haben, kommt es einem doch sehr beengt vor. Meine Großeltern hatten früher auch so einen Schrank, allerdings haben sie zu meinen Zeiten das komplette Küchengeschirr darin aufbewahrt.

Danach fahren wir weiter Richtung Süden, nach Quimper. Die Stadt ist nur 17 km entfernt und hier leben ca. 60.000 Menschen. Ähnlich wie in Lannion merkt man hier wesentlich mehr Leben als auf dem Land. Viele junge Leute sind unterwegs und die Straßen sind voll. Auch hier gibt es viele schöne, alte Fachwerkhäuser und tolle Läden. Wir gehen am 1. Macaronier Frankreichs vorbei. Ich weiß leider nicht, ob er der 1. zeitlich gesehen war oder von der Qualität her seinen Namen bezieht. Auf jeden Fall muss ich reingehen, weil ich gerade neulich erst Macarons zu schätzen gelernt habe. Die sind wirlich lecker. Aber leider hier viel zu teuer. 8 Stück sollen 14 € kosten. Hm, ne, die gibts bestimmt auch noch woanders. Dennoch hat sich der Blick ins Innere gelohnt. In zig bunten Farben türmt sich das kleine, runde Gebäck hier. Wir gehen auch in die Markthallen. Die gibt es hier in vielen Orten. Und sie bieten viel frische Ware an. Zum Mitnehmen nach Deutschland kaufe ich einen Ziegenkäse.

Und dann besuchen wir meine Cousine in ihrem Haus. Sie ist zwar jünger als ich, aber schon fest liiert (noch nicht verheiratet), schwanger und baut mit ihrem Freund gerade ein eigenes Haus. Ich habe festgestellt, dass die Bretonen früher heiraten und Kinder bekommen. Die Franzosen haben eine hohe Kinderrate und die Bretonen toppen sie sogar noch. 3 Kinder pro Familie ist hier normal. Jetzt sehe ich endlich mal, wie junge Bretonen wohnen. Auch nicht wirklich anders als wir. Ziemlich modern eingerichtet, bunte Farben, ich sehe Spielekonsolen unter dem fetten Flachbildschirm. Ich bekomme auch mit, dass sie hier Facebook nutzen. Also adde ich gleich mal meine Cousine und meinen Cousin. Sehr gut, dann weiß ich noch vor meiner Mutter, wie das Kind heißt. Das bleibt bis zur Geburt nämlich eine Überraschung.

Zufrieden fahren wir zurück nach Plouigneau und nehmen den Weg über die Monts D’Arret. Das ist eine Bergregion, in der fast nichts wächst. Sehr karge, hartnäckige, kurze Büsche wachsen hier und vereinzelt sieht man mal ein paar Baumgerippe. Trotzdem hat es Charme. Mitten in der Region entdecke ich einen schönen See. Meine Mutter erklärt mir, dass ist ein Kühlsee, für ein stillgelegtes AKW. Aha, ob die Berge wohl deswegen so aussehen? Und hier in der Nähe soll sich wohl ein Naturvolk niedergelassen haben. Na, ob die sich das gut überlegt haben…

Seht euch meinen Tag hier in Bildern an.

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