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Vom harten Handeln & Feiern á les Bretones

Gepostet am Jun 14, 2011 in Blog, Cultural dreams, Pictured dreams | Keine Kommentare

Vom harten Handeln & Feiern á les Bretones

11. Juni 2011 Plouigneau Morgens besuchen wir den Markt in Morlaix. Er ist groß, hier kommt mir nicht alles kleiner vor als früher. Viele regionale Spezialitäten werden angeboten: Fisch, Meeresfrüchte, Muscheln, vor allem auch Austern, Krebse, Langusten, Pasteten, Käse, Honig. Natürlich auch die hier angebauten Gemüse- und Obstsorten: Melonen, Artischocken, Salate, Beeren, Aprikosen etc. Was zu meinem früheren Bild fehlt, sind lebende Küken und Kitten. Die wurden früher in engen Gitterkäfigen auf den Märkten zum Kauf geboten. Meine Großeltern, die jetzt beide verstorben sind, hatten früher eine Fischzuchtfarm. Ich durfte dann immer Küken mitnehmen und in den Stall zu den anderen Hühnern bringen. Wir waren mindestens ein Mal im Jahr dort zu Besuch. Meistens fehlten ein paar der von mir gekauften Küken beim nächsten Mal, weil sie der Fuchs geholt hatte. Das fand ich immer traurig, aber so ist das Leben hier auf dem Lande. Typisch auf den bretonischen Märkten sind auch Kleidungsverkäufer. Die Sachen sehen sogar fast so aus, als ob man sie tragen könnte. Nicht unbedingt immer die billige Qualität, die wir von unseren Märkten gewohnt sind. Teilweise sind anscheinend auch Eigendesigner dabei, die Kleidung sieht ziemlich künstlerisch aus. Einen Verkäufer, der auf der Straße an seinen Stühlen schnitzt, fotografiere ich. Er ruft mir zu, dass man vorher fragen sollte, ob man ein Foto machen darf. Das mögen die hier wohl nicht. Auf dem Rückweg über den Markt sehen wir eine Gruppe verkleideter Männer. Das ist ein Junggesellenabschied, der von johlenden Frauen und Müttern begleitet wird. Das ist also nicht nur ein deutscher Brauch. Meine Mutter bleibt noch an einem Stand stehen und feilscht mit einem schwarzen Verkäufer um ein kleines Portemonnaie. Der Mann ist ein waschechter Verkäufer und verlangt immer ganz schnell nach Geld: „Allez Madame, donnez l’argent. Bonne qualité, bonne portemonnaie.“ Gut, dass meine Mutter so hart bleibt, sie handelt ihn von 5 auf 3 € herunter. Dann trinken wir noch einen Kaffee. „Petit Noir“ heißt der Espresso hier und der normale Kaffee „Café Crème“. Dabei sehe ich ein Plakat, dass die Fête de la Musique am 21. Juni ankündigt. Da trete ich auch mit meinem Chor auf, aber in Hannover. Cool, dass es die Fête auch in Morlaix gibt. Ursprünglich kommt die Veranstaltung aus Paris und hat angefangen als einfaches Straßenfest, bei dem sich die Leute vor ihr Haus setzen und zusammen singen, musizieren und tanzen. Von der französischen Hauptstadt aus hat sich die Veranstaltung über die ganze Welt verbreitet und immer mehr professionalisiert. Heute findet man immer noch Laien auf dem Fest, aber auch sehr viele Semi- und Vollprofessionelle. Schade, ich fahre zu früh weg. Sonst könnte ich die Fête auch mal in Frankreich erleben. Zurück in Plouigneau bereiten wir den Rest für die Feier am Nachmittag und Abend vor. Leider ist das Geburtstagskind krank, also machen meine Mutter und ich alles. Eigentlich wollten wir die Tische unterm Carport aufbauen, aber das Wetter ist… nun ja, bretonisch. Nicht warm genug, um lange draußen zu sitzen, viel Wind und Regen. Also bauen wir alles drinnen auf und bereiten den Rest für Kaffee und Abendessen vor. Um 16 Uhr wurde eingeladen, wie es aber so die französische Lebensart ist, kennen sie nicht unsere deutsche Pünktlichkeit. Inzwischen ist das Wetter besser geworden und wir warten im Garten auf die Gäste. Sie trudeln nach und nach ein und bleiben draußen sitzen. Also holen wir den Kuchen, Kaffee und Tee doch raus. C’est la vie. Viele Verwandte von der Seite meiner Oma sind da, einige an die ich mich noch sehr gut erinnere, andere, die ich auch noch nie gesehen hatte. Alle sind sehr lieb und ich schlage mich so durch mit meinem Französisch. Ich rede einfach drauf los und stocke immer kurz bei Worten, die mir nicht einfallen. Aber meine Mutter und zwei Verwandte, die ein paar Deutschkenntnisse haben, helfen mir immer ganz gut weiter. Und zur Not arbeite ich mit Händen und Füßen. Irgendwann hole ich aber doch mein kleines Wörterbuch, damit ich nicht immer so ins Stocken komme. Wie es in Frankreich so üblich ist, geht man von Essen zu Essen. Nach Kaffee und Kuchen...

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