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Von Koffeinüberdosis & Windstärke 9

Gepostet am Jun 16, 2011 in Blog, Cultural dreams, Pictured dreams | Keine Kommentare

Von Koffeinüberdosis & Windstärke 9

12. Juni 2011 Plouigneau Am Sonntagmorgen regnet es wie schon befürchtet sehr. Aber wir haben eine Rundfahrt gebucht und wollen sie nicht ausfallen lassen. Also leihe ich mir eine Regenjacke und nehme sogar meinen Schal und meine Mütze mit. Raus in den Wind und den Regen. Eingepackt machen wir uns auf den Weg nach Morlaix zur Touristeninformation. Wir haben noch etwas Zeit, also trinken wir einen Kaffee im Café nebenan. Dann sammelt sich die Gruppe. Sie ist sehr groß, also wird sie auf zwei Führerinnen aufgeteilt. Die „Tour A Fer et A Flot“ kann beginnen. Zuerst werden uns ein paar wichtige Punkte in Morlaix gezeigt und ein paar typische, alte, bretonische Häuser. Die Bauart der alten Bretonen ist gar nicht so unterschiedlich zu der alten deutschen. Es gibt viele Fachwerkhäuser und teilweise sind die Fronten mit Schieferplatten verkleidet. Ganz oft verzieren kleine geschnitzte Heilige die Gebäude. Wir gehen durch die kleinen Gassen von Morlaix. Die Stadt ist in einem Tal gebaut und die schmalen Straßen gehen auf und ab. Hier möchte ich nicht Fahrrad fahren müssen. Aber die Morlaisiennes sind wohl einiges gewohnt. Nicht umsonst heißt die Stadt so. Der Name kommt vom Sprichwort „S’il te mort, mort les.“ Grob kann man den Spruch so übersetzen: „Wenn sie dich beißen, beiß zurück.“ Wir haben es also mit Kämpfernaturen zutun. Wir gehen weiter die Gässchen entlang auf eine lange, steile Treppe zu. Meine Mutter sagt mir, dass sie diese Treppe früher immer zur Schule genommen hat. Also auf, die Treppe hoch, im peitschenden Regen und Wind. Alle kommen ins Schwitzen, sie ist wirklich sehr steil und lang. Aber oben angekommen, wird man entlohnt. Man hat einen super Ausblick auf die Stadt. Wir sind jetzt auf dem Niveau der ersten Etage des Viaduktes. Das Gebilde prägt das Stadtbild sehr. Schon von der Ferne sieht man es über der Stadt stehen. Auf der obersten Etage fährt nur die Bahn, da kann man nicht entlang gehen. Aber auf unserer Ebene ist der Blick auch gut, man kann beide Seiten des Tales überblicken und den Fluß sehen. Das 58 m hohe Viadukt wurde 1864 gebaut, um die Bahnverbindung zwischen Brest und Paris zu erstellen. Am Ende des Viaduktes gehen wir noch ein paar Treppen rauf und kommen am Bahnhof von Morlaix an. Mit dem Zug „á fer“ (= auf Eisen) fahren wir bis nach Roscoff. Zu Fuß geht es dann zum Hafen, wo schon die Fähre auf uns wartet. Es regnet immer noch stark, als die Fähre los fährt. Man sieht nicht viel. Sie bringt uns zur Île de Batz. Die Insel, die sehr nah vor der Küste liegt, hat eigentlich ein eigenes Mikroklima. Hier wachsen Palmen und man kann sich an die tollen Strände zum Sonnen legen. Heute nicht, heute weht uns der starke Wind entgegen. Weil wir ziemlich nass und durchgefroren sind, suchen wir zuerst eine Crêperie auf. Ich esse ein Crêpe avec Roquefort und ein Crêpe Caramelisee au beurre salée. Die Bretonen lieben ihre gesalzene Butter, ich auch. Das salzige Karamellcrêpe ist wirklich zu empfehlen. Hier trinken wir den zweiten Kaffee. Der Regen wird zwar nicht schwächer, aber nur in der Crêperie sitzen, das wollten wir auf dieser Insel eigentlich nicht. Also wieder Jacke, Schal, Mütze angezogen und auf in den Sturm. Wir wollen durch das Dorf gehen und zum Leuchtturm, “ le phâre“. Nachdem wir uns wieder etwas durch den nassen Wind geschlagen haben, reicht es uns. Wir gehen in das nächste Café, der dritte Kaffee. So langsam hängt er mir zum Hals raus. Nur kurz aufgewärmt, gehen wir wieder raus und weiter. Aber jetzt sind wir nicht mehr sicher, ob wir genug Zeit haben, um zum Leuchtturm zu gehen und rechtzeitig wieder zurück zur Fähre zu kommen. Also drehen wir um und suchen uns auf dem Rückweg den Sentier. Hier ist er nicht überwachsen und wie wir feststellen noch nicht mal 100 m lang. Na gut, das war nix. Auf dem Rückweg zur Fähre schlägt uns wieder Regen und Wind entgegen. Nun haben wir noch 15 Minuten übrig, die wir nicht draußen warten wollen. Also wieder auf in ein...

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Vom harten Handeln & Feiern á les Bretones

Gepostet am Jun 14, 2011 in Blog, Cultural dreams, Pictured dreams | Keine Kommentare

Vom harten Handeln & Feiern á les Bretones

11. Juni 2011 Plouigneau Morgens besuchen wir den Markt in Morlaix. Er ist groß, hier kommt mir nicht alles kleiner vor als früher. Viele regionale Spezialitäten werden angeboten: Fisch, Meeresfrüchte, Muscheln, vor allem auch Austern, Krebse, Langusten, Pasteten, Käse, Honig. Natürlich auch die hier angebauten Gemüse- und Obstsorten: Melonen, Artischocken, Salate, Beeren, Aprikosen etc. Was zu meinem früheren Bild fehlt, sind lebende Küken und Kitten. Die wurden früher in engen Gitterkäfigen auf den Märkten zum Kauf geboten. Meine Großeltern, die jetzt beide verstorben sind, hatten früher eine Fischzuchtfarm. Ich durfte dann immer Küken mitnehmen und in den Stall zu den anderen Hühnern bringen. Wir waren mindestens ein Mal im Jahr dort zu Besuch. Meistens fehlten ein paar der von mir gekauften Küken beim nächsten Mal, weil sie der Fuchs geholt hatte. Das fand ich immer traurig, aber so ist das Leben hier auf dem Lande. Typisch auf den bretonischen Märkten sind auch Kleidungsverkäufer. Die Sachen sehen sogar fast so aus, als ob man sie tragen könnte. Nicht unbedingt immer die billige Qualität, die wir von unseren Märkten gewohnt sind. Teilweise sind anscheinend auch Eigendesigner dabei, die Kleidung sieht ziemlich künstlerisch aus. Einen Verkäufer, der auf der Straße an seinen Stühlen schnitzt, fotografiere ich. Er ruft mir zu, dass man vorher fragen sollte, ob man ein Foto machen darf. Das mögen die hier wohl nicht. Auf dem Rückweg über den Markt sehen wir eine Gruppe verkleideter Männer. Das ist ein Junggesellenabschied, der von johlenden Frauen und Müttern begleitet wird. Das ist also nicht nur ein deutscher Brauch. Meine Mutter bleibt noch an einem Stand stehen und feilscht mit einem schwarzen Verkäufer um ein kleines Portemonnaie. Der Mann ist ein waschechter Verkäufer und verlangt immer ganz schnell nach Geld: „Allez Madame, donnez l’argent. Bonne qualité, bonne portemonnaie.“ Gut, dass meine Mutter so hart bleibt, sie handelt ihn von 5 auf 3 € herunter. Dann trinken wir noch einen Kaffee. „Petit Noir“ heißt der Espresso hier und der normale Kaffee „Café Crème“. Dabei sehe ich ein Plakat, dass die Fête de la Musique am 21. Juni ankündigt. Da trete ich auch mit meinem Chor auf, aber in Hannover. Cool, dass es die Fête auch in Morlaix gibt. Ursprünglich kommt die Veranstaltung aus Paris und hat angefangen als einfaches Straßenfest, bei dem sich die Leute vor ihr Haus setzen und zusammen singen, musizieren und tanzen. Von der französischen Hauptstadt aus hat sich die Veranstaltung über die ganze Welt verbreitet und immer mehr professionalisiert. Heute findet man immer noch Laien auf dem Fest, aber auch sehr viele Semi- und Vollprofessionelle. Schade, ich fahre zu früh weg. Sonst könnte ich die Fête auch mal in Frankreich erleben. Zurück in Plouigneau bereiten wir den Rest für die Feier am Nachmittag und Abend vor. Leider ist das Geburtstagskind krank, also machen meine Mutter und ich alles. Eigentlich wollten wir die Tische unterm Carport aufbauen, aber das Wetter ist… nun ja, bretonisch. Nicht warm genug, um lange draußen zu sitzen, viel Wind und Regen. Also bauen wir alles drinnen auf und bereiten den Rest für Kaffee und Abendessen vor. Um 16 Uhr wurde eingeladen, wie es aber so die französische Lebensart ist, kennen sie nicht unsere deutsche Pünktlichkeit. Inzwischen ist das Wetter besser geworden und wir warten im Garten auf die Gäste. Sie trudeln nach und nach ein und bleiben draußen sitzen. Also holen wir den Kuchen, Kaffee und Tee doch raus. C’est la vie. Viele Verwandte von der Seite meiner Oma sind da, einige an die ich mich noch sehr gut erinnere, andere, die ich auch noch nie gesehen hatte. Alle sind sehr lieb und ich schlage mich so durch mit meinem Französisch. Ich rede einfach drauf los und stocke immer kurz bei Worten, die mir nicht einfallen. Aber meine Mutter und zwei Verwandte, die ein paar Deutschkenntnisse haben, helfen mir immer ganz gut weiter. Und zur Not arbeite ich mit Händen und Füßen. Irgendwann hole ich aber doch mein kleines Wörterbuch, damit ich nicht immer so ins Stocken komme. Wie es in Frankreich so üblich ist, geht man von Essen zu Essen. Nach Kaffee und Kuchen...

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